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Sportförderung in Dormagen: Für wen ist dieses Geld eigentlich gedacht?

Der Sportausschuss der Stadt Dormagen hat beschlossen, 150.000 Euro für die Sportförderung bereitzustellen. Grundsätzlich ist das ein wichtiges Signal für den Sport in unserer Stadt. Vereine leisten wertvolle Arbeit — für die Gesundheit, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und vor allem für die Nachwuchsförderung.

Doch bei genauerem Hinsehen wirft die Verteilung dieser Mittel erhebliche Fragen auf.

100.000 Euro für die Handballabteilung des TSV Bayer Dormagen

Von den insgesamt 150.000 Euro sollen 100.000 Euro direkt an die Handballabteilung des TSV Bayer Dormagen fließen. Für alle anderen Vereine und Sportler in Dormagen bleiben damit gerade einmal 50.000 Euro übrig.

Und genau hier beginnt das Problem:
Ist es wirklich nachvollziehbar, dass der Großteil kommunaler Sportförderung an einen Verein geht, der im Hintergrund auf die Strukturen eines Milliardenkonzerns verweisen kann?

Während viele kleinere Vereine auf öffentliche Unterstützung angewiesen sind, um überhaupt ihren Trainings- und Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, fließt hier ein erheblicher Teil der Fördergelder an einen sogenannten Werksclub. Gerade solche Vereine verfügen in der Regel über andere Möglichkeiten, Sponsoren, Netzwerke und finanzstarke Partner zu mobilisieren.

Kleine Vereine tragen oft die eigentliche Basisarbeit

Es sind häufig die kleineren Vereine, die in Dormagen die eigentliche Basisarbeit leisten. Dort wird ehrenamtlich gearbeitet, dort werden Kinder und Jugendliche betreut, dort findet echte Nachwuchsförderung statt — oftmals mit sehr begrenzten Mitteln.

Gerade diese Vereine sind auf kommunale Unterstützung angewiesen. Hier kann Förderung tatsächlich den Unterschied machen:
zwischen einem lebendigen Vereinsangebot und dem schleichenden Rückzug aus dem sportlichen Alltag.

Wenn öffentliche Gelder verteilt werden, sollte deshalb die Frage im Mittelpunkt stehen:
Wo wird dieses Geld am dringendsten gebraucht — und wo hat es den größten Nutzen für die Breite des Sports in Dormagen?

Warum ein finanzstarker Hintergrund kritisch gesehen werden muss

Die Diskussion wird auch deshalb kritisch betrachtet, weil viele Bürger in Dormagen wissen, wie große Konzerne handeln, wenn Bereiche wirtschaftlich nicht mehr attraktiv erscheinen.

Ein Beispiel, das vielen noch in Erinnerung ist, ist die Römertherme. Über Jahre wurde sie von der Stadt Dormagen mitgetragen, bis die Stadt die Einrichtung schließlich vollständig — mitsamt den Angestellten — übernehmen musste. Diese Erfahrung zeigt, dass wirtschaftlich starke Partner nicht automatisch dauerhafte Sicherheit bedeuten.

Gerade deshalb ist es schwer vermittelbar, warum kommunale Gelder in erheblichem Umfang in einen Bereich fließen sollen, hinter dem ein finanzstarker Konzern steht, während kleinere Vereine um vergleichsweise geringe Unterstützung kämpfen.

Nachwuchsförderung darf kein einseitiges Argument sein

Immer wieder wird in diesem Zusammenhang auf erfolgreiche Spieler verwiesen, die aus der Handballausbildung hervorgegangen sind — etwa auf Namen wie Julian Köster. Natürlich ist es positiv, wenn ein Verein gute Nachwuchsarbeit leistet und Talente entwickelt.

Aber auch hier lohnt sich ein nüchterner Blick:
Wie viele solcher Ausnahmeathleten bringt ein Verein tatsächlich hervor? Und welchen nachhaltigen Nutzen hat die Stadt oder der Verein selbst davon, wenn Talente zwar ausgebildet, später aber sportlich und wirtschaftlich an anderer Stelle wirksam werden?

Gute Ausbildungsarbeit allein kann daher nicht automatisch als Begründung dafür dienen, einen so großen Anteil der kommunalen Sportförderung auf einen einzigen, ohnehin gut aufgestellten Verein zu konzentrieren.

Öffentliche Förderung muss gerecht und sinnvoll verteilt werden

Sportförderung sollte vor allem dort ansetzen, wo sie wirklich gebraucht wird. Sie sollte Vereine stärken, die ohne diese Hilfe kaum Chancen haben, ihre wichtige Arbeit fortzuführen. Sie sollte in die Breite gehen, in den Nachwuchs, in das Ehrenamt, in die lokale Vereinslandschaft.

Denn genau dort entsteht der Sport, der eine Stadt zusammenhält.

Es ist deshalb mehr als berechtigt, die aktuelle Verteilung kritisch zu hinterfragen.
Wenn 100.000 Euro an einen Verein mit starkem Konzernumfeld gehen und sich alle anderen Vereine sowie Einzelsportler die restlichen 50.000 Euro teilen müssen, dann entsteht ein deutliches Ungleichgewicht.

Ein klares Signal wäre notwendig

Dormagen braucht eine Sportförderung, die fair, ausgewogen und nachvollziehbar ist.
Nicht die finanzstärksten Strukturen sollten am meisten profitieren, sondern diejenigen, die auf Unterstützung wirklich angewiesen sind.

Das Geld wäre bei den vielen kleineren Vereinen in unserer Stadt deutlich besser angelegt — dort, wo mit großem Engagement, viel Ehrenamt und oft unter schwierigen Bedingungen echte Nachwuchsarbeit geleistet wird.

Wer den Sport in Dormagen nachhaltig stärken will, sollte die Breite fördern — nicht vor allem die, die ohnehin starke Partner im Rücken haben.

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