Anfrage an Kinderschutzbund zu Kinder-/Frühehen…

Heute haben wir beim Kinderschutzbund, eine Anfrage zum Thema Kinder-/Frühehen gestellt. Wir haben den Kinderschutzbund, um eine Stellungnahme zu diesem Thema gebeten. Da dieses Thema zur Zeit mehr oder weniger stark in den sozialen Netzwerken und auch in den Medien auftaucht, haben wir eine Aktivität des Kinderschutzbundes dazu, nicht so wirklich vernehmen können. Wir müssen aber sagen, dass die Antwort auf unsere Anfrage, sehr ausführlich, vor allem aber extrem schnell beantwortet wurde. Solch schnelle Antworten würden wir uns an anderer Stelle wünschen…lange Rede kurzer Sinn, unter weiterlesen finden Sie die Antwort des Kinderschutzbundes.

Hier erst einmal unsere Anfrage:

Sehr geehrter Herr Hilgers,

wir schreiben Ihnen diese Zeilen weil wir zu dem folgenden Thema aus Richtung des Kinderschutzbundes nichts vernehmen. Weder ist eine Stellungnahme, noch irgendwelche anderen Statements, zu diesem sehr wichtigen und für Kinder besonders einschneienden Erlebnis der Kinderehe vom Kinderschutzbund zu lesen oder Hören.

Im Moment ist von den sogenannten etablierten Parteien zu hören, dass man dort anscheinend keinerlei Schmerzen damit hat, kleine Mädchen oder wie wir uns haben aufklären lassen, auch kleine Jungen zur Kinderehe genötigt- und gezwungen werden.

Die Integrationsbeauftragte der SPD Aydan Özoğuz, scheint als Fachfrau der Integration dies gar noch zu begrüßen und als nötig zu sehen.

Da man nun auch aus Kreisen der Justiz zu hören bekommt das man so etwas in einer kritischen Einzelfallbetrachtung sehen müsse, würde uns dazu die Stellung- und Meinung des Kinderschutzbundes interessieren.

Vor allem aber stellt sich uns die eine eigentliche Frage. Warum vernimmt man vom Kinderschutzbund dazu keinerlei Maßnahmen, Stellungnahmen oder andere Möglichkeiten der Unmutsäußerung dazu?

Für unsere Fraktion ist es absolut indiskutabel, geschweige denn auch nur annähernd Bewilligungswürdig. Über dieses Thema dürfte überhaupt keine Diskussion oder Einzelfallbetrachtung geben. Kinder sind Kinder und mit 18 erst frei in deren Entscheidungen, bis zu einem bestimmte Grad.

Wir würden uns freuen wenn Sie uns dazu eine Stellungnahme zusenden könnten. Vielen Dank für Ihre Mühen.

Hier die Antwort des Kinderschutzbundes

Sehr geehrter Herr Back,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Herr Hilgers bat mich, Ihnen folgende Antwort zu übermitteln:

Der Deutsche Kinderschutzbund setzt sich seit Oktober 2015 für die Abschaffung von Frühehen ein und unterstützt als Erstunterzeichner die Unterschriftenaktion „Frühehen stoppen – Bildung statt Heirat!“ von TERRE DES FEMMES (siehe www.dksb.de/Content/shownews.aspx?news=279). Aus aktuellem Anlass wiederholen wir seit Juni 2016 unsere Forderung, nachzulesen unter www.dksb.de/Content/shownews.aspx?news=308. Wir haben dazu in allen Mediengattungen (Presse, Rundfunk, Fernsehen und Online) seit 2015 eindeutig Stellung genommen. So hat unser Präsident Heinz Hilgers unter anderem im ZDF-Morgenmagazin ein Interview gegeben (abrufbar unter https://www.zdf.de/nachrichten/zdf-morgenmagazin/kinderschutzbund-fruehehen-verbieten-102.html#/beitrag/video/2804078/Kinderschutzbund-Fruehehen-verbieten) und klar Position gegen Frühehen bezogen. Möglicherweise liegt es an der Vielzahl der Medien und Ihrer persönlichen Auswahl, dass Sie die Berichte nicht wahrgenommen haben.

Unsere Bemühungen diesbezüglich werden nicht nachlassen. Es geht um universelle Kinderrechte, wie sie in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben sind und von fast allen Nationen dieser Welt unterzeichnet wurden. Darin sind wir uns einig mit vielen NGOs (Nichtregierungsorganisationen), die sich weltweit in fast allen Ländern der Erde gegen Frühehen engagieren – auch in den Ländern, aus denen Menschen vor Krieg, Gewalt, Hass, Unterdrückung und Verfolgung fliehen.

Umso enttäuschender ist, dass sich auch die Bundesrepublik Deutschland in dieser Frage nicht an die UN-Kinderrechtskonvention hält und eine Ehe ab 16 Jahren – wenn auch mit Genehmigung des Familiengerichtes – ermöglicht. Auch die katholische Kirche hat in ihren Regeln, die ebenfalls für Deutschland gelten – aber in den letzten Jahrzehnten nicht mehr angewendet wurden, die Ehemündigkeit auf 14 Jahre festgesetzt. Um ein gutes Beispiel zu geben, sollte die Ehemündigkeit in unserem Land als erstes auf 18 Jahre festgesetzt werden. Ausnahmen sind nicht mehr nötig, da nicht-eheliche Kinder die gleichen Rechte haben wie eheliche Kinder und auch Alleinerziehende nicht mehr diskriminiert werden sollten.

Um eine erfolgreiche Integration zu leisten, ist kultur- und traumasensibles Handeln von Staat und Gesellschaft einerseits, aber auch eine klare werteorientierte Haltung nötig. Dies mahnt Frau Özoğuz zu recht an. Deswegen brauchen insbesondere Mädchen, die Opfer von Zwangsheirat sind und jetzt nach Deutschland kommen, alle Hilfe, zu denen unser Jugendhilfesystem fähig ist. Diese Unterstützung müssen ganz besonders Mädchen erfahren, die durch eine Zwangsheirat im Alter von unter 14 Jahren Opfer von sexuellem Missbrauch geworden sein könnten. Deshalb setzt sich der Deutsche Kinderschutzbund mit allen Kräften dagegen ein, dass diese Mädchen in ihr Heimatland zurückgeschickt werden. Wir sollten ihnen eine dauerhafte Perspektive in Deutschland geben.

Damit unsere Haltung in dieser Frage auch in Dormagen besser bekannt wird, haben wir unsere Antwort der Presse in Dormagen übersandt.

Mit freundlichen Grüßen

Fachreferentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.

Wir haben hier bewusst den Absender der Mail entfernt, diese Antwort wurde auch vom Kinderschutzbund an die Dormagener Presse gesendet.  

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